Supporter...

gefunden am 03.07.2008

Keine Ahnung? Kein Problem! Seit 2006 pr?n sie das Stra?nbild des Fu?alls: die Event-Fans. F?ie steht nicht der Sport, sondern das soziale Ereignis im Vordergrund. So wird das Spiel zum Unterhaltungsprodukt degradiert - findet Philipp K?r. Es geh?in diesen Wochen nicht viel dazu, Deutschland-Fan zu sein. Ein Leibchen mit dem Bundesadler f?,95 Euro, ein schwarz-rot- goldener Irokese f?,95 oder ein F?chen f?Autodach, als Beilage in der Tageszeitung. Und weil das alles so einfach ist, musste beim Halbfinale gegen die T?n die gerade frisch er?ete Berliner Fanmeile schon wieder wegen ?erf?ng schlie?n, sind alle Kneipen mit Fernsehanschluss seit Turnierbeginn gerammelt voll, pr?ntiert sich ganz Deutschland als Bundesfankurve. Nun ist dieses Ph?men der bev?rungs?greifenden Fu?all-Begeisterung nicht ganz neu. Schon 2006 gingen selbst Hausfrauen im Deutschland-Trikot zum Einkaufen, flaggten ganze Stra?nz?Schwarz-Rot-Gold und verbrachten Hunderttausende ihren Jahresurlaub auf den Fanmeilen der Republik. Es waren dies aber keine Fu?allfans im eigentlichen Sinn, keine Stadiong?er und Ausw?sfahrer mit Hunderten Spielen auf dem Buckel. Stattdessen tummelte sich auf den Meilen, in den Kneipen und Kurven ein neuer Fantypus: der des am?rwilligen Event-Fans. Ausgestattet mit rudiment?m Basiswissen ? Poldi und Schweini und einer Ahnung davon, dass es au?r Deutschland noch andere Mannschaften gibt, dazu bedingungslos begeisterungsf?g und bereit, in jede laufende Kamera zu br?n: »Deutschland, geil, Finale, jaaaahaha«. Kurzum: Fu?all war 2006, und ist auch 2008, sportlicher Buddhismus. Man muss ihn nicht verstehen, kann ihn aber trotzdem toll finden. Zumal sich das Live-Erlebnis Fu?all inzwischen v?g den Bed?issen der am?rwilligen Anh?er angepasst hat, im Stadion und auf den ?ntlichen Pl?en. Auf der Fanmeile treten prominente Bands auf. Statt der Polizeikapelle, die fr? vor dem Anpfiff ein wenig lustlos ? den Rasen marschierte, wummert im Stadion bis zum Anpfiff laute Partymusik aus den Boxen. Die Stadionsprecher sagen nicht mehr die Aufstellungen der Teams durch, sondern animieren die Zuschauer zum Klatschen und Mitsingen der eingespielten Titel. Es herrscht H?n-Hammer-Stimmung. W?n sich nicht nebenbei noch die Mannschaften warmmachen, man k? nicht auf die Idee, gleich werde ein Fu?allspiel angepfiffen. Beim Vorrundenspiel zwischen Deutschland und ?terreich in Wien br?e der ?rreichische Stadionsprecher Andy Marek zwischendurch gar den sch? Satz ins Mikrofon: »Und nun z?n wir die finale Stimmungskanone – mit der La-Ola-Welle«. Dabei hatte das Spiel noch nicht einmal angefangen. Derart animiert, herrscht, oberfl?lich betrachtet, in den Stadien eine deutlich bessere Stimmung als fr?, als die Zuschauer in den Minuten vor dem Spiel ohne Aufforderung durch den Stadionsprecher anfangen mussten zu singen. Verloren gegangen ist dabei jedoch jede Spontanit? jede Kreativit?der Fankurven. Gesungen wird, was gerade beim Stadion-DJ auf dem Plattenteller liegt. Und das ist meist Kirmesmusik ohne jeden Bezug zum Fu?all. Was traditionellen Anh?ern an den Event-Fans jedoch besonders aufst? ist deren ostentative Anspruchshaltung. Der alteingesessene Supporter bezieht seine Identit?als Fan aus der lebenslangen Bindung an den Fu?all und seinen Klub. Nichts kann diese Zuneigung ersch?rn, keine Niederlage, kein Abstieg, keine Ehekrise. Der Fu?alljournalist Christoph Biermann hat dies einmal h?h in einem Buchtitel zusammengefasst: »Wenn Du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen.« Traditionelle Anh?er k?n nie auf die Idee, die Nationalelf wegen eines schwachen Spiels auszupfeifen. Event-Fans haben da weniger Hemmungen. Sie wollen schlie?ich unterhalten werden, jubeln, Deutschland-Fahnen schwenken, die Sportfreunde Stiller nachsingen. Das f?t bl?weise alles flach, wenn die deutsche Elf gegen Kroatien sang- und klanglos mit 1:2 verliert. Dann wird gepfiffen, gemosert und auf der R?ahrt schnell das Deutschland-F?chen vom Autodach entfernt. Torsten Frings hat sich mal ? solche Treulosigkeit mokiert: »Eben noch die EM- Favoriten, nun die Deppen der Nation. Das gibt es nur in Deutschland.« Dass die Stimmung in den Stadien und auf den Public-Viewing-Veranstaltungen angesichts mauer Leistungen so schnell umkippt, hat nat?ch auch mit der mitunter fehlenden Sachkunde der Am?r-Fans zu tun. Dass auch ein Kick ohne spektakul? Tore am Flie?and seinen eigenen taktischen Reiz haben kann, dass sich die Qualit?eines Spiels nicht allein an den Hackentricks und ?ersteigern bemisst, ist ohne zumindest ein wenig Erfahrung im Fu?allschauen nicht zu begreifen. Der Wille zur Fortbildung ist allerdings unter vielen Event-Fans nicht sonderlich ausgepr?. Schlie?ich geht es dem Volk der neuen Fans nicht um den Fu?all, nicht um deutsche Siege, sondern allein um das gemeinschaftliche Erlebnis, irgendwo zwischen Katholikentag und Rock am Ring. Weil aber das eine den Glauben voraussetzt und das andere Eintritt kostet, geht der Event-Fan lieber zur Fanmeile. 2006 und 2008 und nat?ch auch 2010. Mit Deutschland-Trikot beim Einkauf und Fahne am Auto. www.11freunde.de Streiche "Fu?all", setze "Eishockey"....

Weitere Nachrichten zum Thema:
  • keine Nachrichten gefunden...